{"id":1194,"date":"2010-09-29T08:06:00","date_gmt":"2010-09-29T06:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2010\/09\/29\/vierter-bericht-zur-statistischen-erhebung-von-versuchstieren\/"},"modified":"2010-09-29T08:06:00","modified_gmt":"2010-09-29T06:06:00","slug":"vierter-bericht-zur-statistischen-erhebung-von-versuchstieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2010\/09\/29\/vierter-bericht-zur-statistischen-erhebung-von-versuchstieren\/","title":{"rendered":"Vierter Bericht zur statistischen Erhebung von Versuchstieren"},"content":{"rendered":"<p>Der Vierte Bericht, der am 20.01.2005 dem Rat und dem Europ\u00e4ischen Parlament von der EU-Kommission vorgelegt wurde, enth\u00e4lt die statistische Erfassung der im Jahr 2002 innerhalb der EU verwendeten Versuchstiere. Mit dem Vierten Bericht haben es endlich alle f\u00fcnfzehn Mitgliedstaaten geschafft, ihre Tierversuchsdaten in der vereinbarten einheitlichen Form \u2013 in acht harmonisierten Tabellen \u2013 abzuliefern.<\/p>\n<p>Frankreich hat es &#8211; wie schon beim Ersten und Zweiten Bericht \u2013 auch diesmal wieder nicht geschafft, die Daten vom erforderlichen Jahr vorzulegen. Es hat ganz einfach die Daten vom Jahr 2001 gemeldet, was befremdlicher Weise abermals von der Kommission akzeptiert wurde. Luxemburg hat nur die Daten f\u00fcr die ersten zwei Tabellen abgeliefert, die genauen Aufschl\u00fcsselungen zu den Tabellen 3 \u2013 8 fehlen einfach.<\/p>\n<p>Konnte man noch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die vielen Uneinheitlichkeiten und Ungereimtheiten, aber auch Schlampereien, wie sie in den ersten drei Berichten zutage getreten sind, aufbringen, so kann dies, nach nun \u00fcber 10 Jahren Vorlaufzeit doch wirklich nicht mehr kommentarlos hingenommen werden. Kommt sich die EU-Kommission denn nicht gefrotzelt vor oder liegt es gar nicht in ihrem Interesse endlich ein verl\u00e4ssliches, vergleichbares und somit aussagekr\u00e4ftiges Datenmaterial vorzulegen?<\/p>\n<p>Abgesehen nun von der franz\u00f6sischen Ungleichzeitigkeit und der luxemburgischen Kurzvariante, liegen erstmals Daten auf, die man halbwegs verl\u00e4sslich vergleichen kann \u2013 aber auch nur l\u00e4nderweise. Ein Vergleich gegen\u00fcber den Vorjahresberichten ist aufgrund des damals l\u00fcckenhaften, divergierenden Datenmaterials und der uneinheitlichen Erfassung nach wie vor fragw\u00fcrdig (siehe dazu unsere Stellungnahme zum Dritten Bericht). Erst mit dem zuk\u00fcnftigen F\u00fcnften Bericht wird ein seri\u00f6ser Vergleich zu den Vorjahren angestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insgesamt sind im Jahr 2002 innerhalb der EU mit den noch 15 Mitgliedstaaten fast 11 Millionen lebende Wirbeltiere, genau 10.731.020, f\u00fcr Experimente und Tests eingesetzt worden und \u2013 von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; auch get\u00f6tet worden.<br \/>Frankreich verzeichnet die h\u00f6chste Anzahl an Versuchstieren (2.212.294), gefolgt von Deutschland (2.071.568) und England (1.817.485). \u00d6sterreich liegt mit seinen 192.062 Tieren an 12. Stelle. Die geringste Anzahl hat der Kleinstaat Luxemburg mit 5.320 Versuchstieren zu melden.<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten wurden M\u00e4use (5.459.729, das sind 50,9 %), gefolgt von den Ratten (2.311.344, das sind 21,5 %) und Fischen (1.586.403, das sind 14,8 %) eingesetzt. Somit machen die M\u00e4use, Ratten und Fische 87,2 % von den gesamt verwendeten Tierarten aus. In absteigender Reihenfolge wurden weiters Kaninchen, Meerschweinchen, &#8220;Andere V\u00f6gel&#8221;, Schweine, Amphibien, &#8220;Andere Nager&#8221; usw. verwendet. Auch Hunde (21.116), Affen (10.362), Pferde (4.677) und Katzen (3.808) wurden zu Experimenten herangezogen. Einzig erfreulich: Kein Menschenaffe wurde f\u00fcr belastende Tests verwendet.<\/p>\n<p>Seltsamer- und absurderweise wird (wie schon bei den vorhergehenden Berichten) die Herkunft der Versuchstiere und die Anzahl der erneut verwendeten Tiere nicht von allen 10.731.020 Tieren angegeben, sondern lediglich von den M\u00e4usen, Ratten, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Katzen, Hunde, Frettchen, Affen und Wachteln. Die Beschr\u00e4nkung auf diese Tierarten stellt eine v\u00f6llig willk\u00fcrliche Auswahl dar, die v\u00f6llig sinnlos ist und offenbar nur dazu gut sein soll, die tats\u00e4chliche Situation zu verschleiern.<\/p>\n<p>Von den &#8211; wie oben angef\u00fchrt \u2013 willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten Tierarten kommen \u00fcber 7 Millionen Tiere (7.298.686) aus registrierten Einrichtungen des berichtenden EU-Landes. Fast 1 Million Tiere (842.003) kommen aus anderen Mitgliedstaaten der EU. Inwieweit diese auch aus registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen kommen, geht nicht klar hervor.<br \/>Fast 30.000 Tiere, genau 29.773, sind erneut f\u00fcr einen Versuch verwendet worden. Auch diese Zahl bezieht sich \u2013 wie oben angef\u00fchrt &#8211; nur auf die willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten Tierarten und nicht auf die Gesamtanzahl der verwendeten Versuchstiere im Jahre 2002.<br \/>Von 2.363.203 (!) Tieren fehlen somit die Herkunftsangaben und auch die Angabe der Anzahl der erneut verwendeten Tieren, n\u00e4mlich zu &#8220;Andere Nager&#8221;, &#8220;Andere Fleischfresser&#8221;, Pferde, Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder, &#8220;Andere S\u00e4ugetiere&#8221;, &#8220;Andere V\u00f6gel&#8221;, Reptilien, Amphibien und sogar den Fischen (die ja 14,8 % der gesamt verwendeten Tiere ausmachen).<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Versuchstiere (4.769.287, das sind 44,47 %) wurde f\u00fcr die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualit\u00e4tskontrolle von Produkten und Ger\u00e4ten der Human-, Zahn- und Veterin\u00e4rmedizin eingesetzt.<br \/>F\u00fcr die Grundlagenforschung wurden 3.728.426 Tiere, das sind, 34,7 % verwendet.<br \/>F\u00fcr die Aus- und Fortbildung wurden 341.967 Tiere, das sind 3,2 %, und <br \/>f\u00fcr die Diagnose von Krankheiten wurden 227.333 Tiere, das sind 2,12 %, verwendet.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden an 1.066.047 Tieren, das sind 9,93 %, die \u00e4u\u00dferst schwer belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitspr\u00fcfungen durchgef\u00fchrt, davon haupts\u00e4chlich f\u00fcr Produkte und Ger\u00e4te der Zahn-, Human- und Veterin\u00e4rmedizin.<br \/>F\u00fcr Kosmetika wurden dezidiert an 2.691 Tieren toxikologische Tests durchgef\u00fchrt, davon an 2.591 Tiere allein in Frankreich. (Italien: 60; D\u00e4nemark: 40) Wie viele Tiere von den insgesamt 10.731.020 Tieren f\u00fcr die Entwicklung und Herstellung von Kosmetika sterben mussten, ist aus der vorliegenden Statistik nicht verl\u00e4sslich ersichtlich und auch nicht eruierbar.<\/p>\n<p>An 951.906 Tieren wurden die vorhin angef\u00fchrten toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitspr\u00fcfungen aufgrund rechtlicher Vorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) vorgenommen;<br \/>an 114.141 Tieren wurden toxikologische Versuche durchgef\u00fchrt, obwohl es hierf\u00fcr keine Rechtsvorschrift gibt!<br \/>Im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier wurden insgesamt 6.203.399 Tiere, das sind 58 %, verwendet.<br \/>Davon 1.474.535 Tiere, das sind 23,8 %, f\u00fcr Nerven- und Geisteskrankheiten beim Menschen;<br \/>898.195 Tiere f\u00fcr spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen (z.B. im Zusammenhang mit BSE, Vogelgrippe), das sind 14,5 %:<br \/>779.322 Tiere, das sind 12, 6 %, f\u00fcr Krebserkrankungen beim Menschen;<br \/>453.828 Tiere, das sind 7,3 %, f\u00fcr Herz-Kreislauferkrankungen des Menschen.<br \/>Der gr\u00f6\u00dfte Teil jedoch, n\u00e4mlich 898.195 Tiere, das sind 41,9 %, wurde in die Rubrik f\u00fcr &#8220;sonstige Krankheiten des Menschen&#8221; eingetragen. Es w\u00e4re angebracht, hier die Statistik im Sinne einer h\u00f6heren, sinnvollen Aussagekraft weiter nach Krankheiten zu differenzieren wie Allergien, Diabetes etc.<\/p>\n<p>Die folgende <a href=\"images\/stories\/tierversuche\/tv_pdfs\/vierter%20bericht-deutsch-14%20seiten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF-Datei<\/a> (14 Seiten) enth\u00e4lt den Originalbericht der Kommission in deutscher Sprache \u2013 eine sehr informative, fundierte Zusammenfassung der Analyse der \u00fcber 100 statistischen Tabellen.<br \/>Was fehlt, ist jedoch eine kritisch-reflektierende Zusammenschau, die es in den vorigen Berichten sehr wohl gegeben hat und die auch notwendig ist, um die Statistik weiter zu verbessern. So ist noch lange nicht die gesamte statistische Erfassung harmonisiert. Zum Beispiel werden Tiere, die eigens f\u00fcr Versuche get\u00f6tet werden, etwa zur Organ-, Gewebe- oder Zellentnahme, in den verschiedenen L\u00e4ndern bei der statistischen Erhebung unterschiedlich gehandhabt. In \u00d6sterreich werden diese \u00fcberhaupt nicht statistisch erfasst, in Italien, den Niederlanden und Schweden sehr wohl. Derartige Unterschiede verzerren nat\u00fcrlich enorm den tats\u00e4chlichen Verbrauch eines einzelnen Landes und schlussendlich die gesamte EU-Tierversuchsstatistik.<\/p>\n<p>Die von der EU-Kommission konsolidierten Tabellen als auch die einzelnen Tabellen aller Mitgliedstaaten, die nur in englischer Sprache verf\u00fcgbar sind, k\u00f6nnen Sie \u00fcber diese <a href=\"images\/stories\/tierversuche\/tv_pdfs\/vierter%20bericht-englisch-189%20seiten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF-Datei<\/a> (189 Seiten) abrufen.<\/p>\n<p>Aufrufe: 207<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vierte Bericht, der am 20.01.2005 dem Rat und dem Europ\u00e4ischen Parlament von der EU-Kommission vorgelegt wurde, enth\u00e4lt die statistische Erfassung der im Jahr 2002 innerhalb der EU verwendeten Versuchstiere. 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