{"id":1613,"date":"2020-03-24T16:17:04","date_gmt":"2020-03-24T15:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2020\/03\/24\/nur-nr-3-duerfen-sie-streicheln\/"},"modified":"2020-03-24T16:17:04","modified_gmt":"2020-03-24T15:17:04","slug":"nur-nr-3-duerfen-sie-streicheln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2020\/03\/24\/nur-nr-3-duerfen-sie-streicheln\/","title":{"rendered":"Nur Nr. 3 d\u00fcrfen Sie streicheln"},"content":{"rendered":"<p><p><strong>Mischlinge aus Wolf und Hund sind gefragt. Eine gef\u00e4hrliche Mode<\/strong><\/p>\n<\/p>\n<p>D ie wichtigste Warnung vor lebensgef\u00e4hrlichen Risiken und Gefahren bei W\u00f6lfen l\u00e4sst sich am besten am Zebra erkl\u00e4ren. Zwar ist das Zebra dekorativ, es spielt bei ber\u00fchmten spanischen Designerm\u00f6beln als Fellbezug f\u00fcr Polsterm\u00f6bel eine Rolle &#8211; und es kann in der Sportlichkeit mit Rennpferden mithalten. Aber geritten hat es noch niemand. Sein Eigensinn l\u00e4sst sich nicht mit Dressur beibiegen. Sein Selbstbewusstsein schlie\u00dft jede gemeinsame Sache mit Menschen aus. Zebras sind scheu und bissig wie W\u00f6lfe. Wie Zebras sind auch W\u00f6lfe nicht domestizierbar &#8211; die Wildnis ist im Erbgut verankert.<\/p>\n<p><p>Echte W\u00f6lfe waren dem Menschen \u00fcber Jahrhunderte so nah wie Figuren aus &#8220;Grimms M\u00e4rchen&#8221;. Jetzt kehren sie zur\u00fcck in die W\u00e4lder im Osten Deutschlands und &#8211; sie r\u00fccken uns als modische Haustiere auf den Pelz, mit Stammplatz auf der Couch. W\u00e4hrend Dutzende W\u00f6lfe inzwischen durch die Lausitz streifen, ist es der Reiz des Wilden, des Originalen und manchmal auch der Reiz der Gefahr, der unbedarfte Hundehalter fasziniert. Es gibt kein g\u00e4nsehauthaltigeres Zuchtangebot auf dem Markt als Hunde, die ein gut Teil Wolf in sich haben. Oder W\u00f6lfe, die mit ein bisschen Hundegenetik bes\u00e4nftigt sein sollen. &#8220;Anfang der Neunziger gab es einen H\u00f6hepunkt bei der Wolfs-Mix-Nachfrage. Danach ebbte das ab. Jetzt ist sie wieder st\u00e4rker denn je&#8221;, sagt Michael Eichhorn, ein Hundeexperte. Eichhorn hat in Verhaltensstudien W\u00f6lfe und Wolfsmischlinge erforscht und beschrieben. Er z\u00fcchtet in der Pfalz die einzige Hunderasse mit hoch dosiertem Einschlag aus der Wildnis, die in Deutschland legal ist: den Tschechoslowakischen Wolfshund. Der Z\u00fcchter und Hundetrainer sieht sich mehr und mehr &#8220;Individualisten&#8221; gegen\u00fcber, die ihm erkl\u00e4ren, &#8220;nicht in den Retriever-Topf geworfen werden zu wollen&#8221;. Leute, die es nach hochprozentigem Wolfsblut im Haushund d\u00fcrstet.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der erste Tschechoslowakische Wolfshund wurde 1955 geboren &#8211; in den Kasernen der tschechischen Armee. Die Grenzsoldaten brauchten einen Hund, der stramm und folgsam an der Leine hing wie der Deutsche Sch\u00e4ferhund. Aber dazu so instinktsicher und ausdauernd wie der Wolf. Der &#8220;Tscheche&#8221; ist das Ergebnis einer Kreuzung aus Karpatenwolf und Deutschem Sch\u00e4ferhund. In seiner Ahnentafel findet sich der letzte Wolf Anfang der 80er-Jahre. Obwohl nur wenige Generationen vom wilden Urahn entfernt, sei vielen inzwischen sogar der Tschechoslowakische Wolfshund zu sehr auf den &#8220;Hund&#8221; gekommen, sagt Eichhorn. Und so streunen seit einigen Jahren Wolfsmischlinge durch den grauen, illegalen Markt in Deutschland. Die Halbw\u00f6lfe sind kaum menschenvertr\u00e4glich, \u00e4ngstlich im Umgang, aggressiv gegen\u00fcber anderen Hunden. Viele dieser Tiere kommen aus den USA. Dort d\u00fcrfen sie legal gez\u00fcchtet werden. Bis zu 3000 Euro werde f\u00fcr einen solchen Mischling bezahlt, zum Beispiel einem Mix zwischen Husky und Wolf, &#8220;je mehr Wildblut, desto teurer das Tier&#8221;, sagt Eichhorn. Als Welpen seien die Tiere noch unkompliziert. Die Probleme fangen mit vier Jahren an, wenn die Mischlinge geschlechtsreif werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne, scheue Hunde sind es meistens, die Eichhorn dann zum Training gegeben werden. Die Besitzer sind regelm\u00e4\u00dfig mit den Halbw\u00f6lfen \u00fcberfordert. Viele der Verhaltensauff\u00e4lligkeiten kennt Eichhorn l\u00e4ngst. Anfang des Jahres zog er selbst einen Wurf W\u00f6lfe auf &#8211; parallel zu einigen Hundewelpen. Die Unterschiede haben sogar ihn \u00fcberrascht: einerseits freundlich schwanzwedelnde Draufg\u00e4nger &#8211; daneben \u00e4ngstliche, aggressive Wolfsjunge, unz\u00e4hmbar, ungelehrig und so familientauglich wie Coyoten. &#8220;Drei Dinge, die man wissen muss: Ein Wolf wird niemals stubenrein. Ein Wolf l\u00e4sst sich nicht einsperren, und ein Wolf wird niemals einem Menschen gehorchen&#8221;, sagt K\u00f6hler. W\u00f6lfe wie Wolfsmischlinge, auch wenn sie Erfahrung mit Menschen haben, sind gef\u00e4hrlich &#8211; so fiel der Wolfshund von Dieter Thomas Heck einen Freund des Moderators an. Der Mann ist lebenslang behindert.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Halbw\u00f6lfe sind nicht das einzige Beispiel daf\u00fcr, wie mehr und mehr Tierhalter in Deutschland sich Wildtierromantik ins Haus holen wollen. &#8220;Der Trend geht auch bei Katzen zum Wildnis-Mix&#8221;, sagt der Verhaltensforscher Dennis Turner. Eine Mode, die &#8220;verboten geh\u00f6rt&#8221;. Liebhaber zahlen bis zu 12 000 Euro f\u00fcr eine Bengal- oder eine Savannen-Katze. Je mehr Steppe im Blut, desto teurer das Tier. &#8220;Ethisch sind solche Kreuzungen nicht vertretbar&#8221;, sagt Turner, der in der Schweiz ein Institut f\u00fcr Haustierpsychologie leitet. &#8220;Weder Mensch noch Tier haben etwas davon.&#8221;<\/p>\n<\/p>\n<p>Wie weit sich Wolf und Hund in Jahrtausenden voneinander entfernt haben, zeigt auch die direkte Konfrontation: eine Eskalationskette, die meist darin gipfelt, dass sich der Wolf aus dem Staub macht. Das Nichtverh\u00e4ltnis beginnt mit der Kommunikation. &#8220;Ein Wolf verst\u00e4ndigt sich mit \u00fcber 60 verschiedenen Mienen&#8221;, sagt Dorit Feddersen-Petersen, Verhaltensforscherin am Kieler Institut f\u00fcr Haustierkunde, &#8220;der Scho\u00dfhund hat nur noch vier bis f\u00fcnf. Stattdessen hat er sich darauf verlegt, sich \u00fcber Laute zu verst\u00e4ndigen&#8221; &#8211; die der Wolf weder versteht noch beherrscht. W\u00f6lfen lassen sich solche F\u00e4higkeiten nicht antrainieren &#8211; wie Versuche der Universit\u00e4t Budapest ergaben. Dort lockten volle Fressn\u00e4pfe, zu denen der Weg aber nur \u00fcber den Menschen f\u00fchrte. Auch nach Wochen war bei den W\u00f6lfen der Groschen nicht gefallen, w\u00e4hrend die Hunde fressgierig auf ihre Halter fixiert waren: &#8220;Die W\u00f6lfe verstehen den Menschen nicht als Schl\u00fcssel zum Futter&#8221;, schreiben die Forscher. &#8220;Sie sehen nur das Fleisch.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/lifestyle\/article11263559\/Nur-Nr-3-duerfen-Sie-streicheln.html\">http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/lifestyle\/article11263559\/Nur-Nr-3-duerfen-Sie-streicheln.html<\/a><br \/>28.11.2010<\/p><\/p>\n<p>Aufrufe: 250<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mischlinge aus Wolf und Hund sind gefragt. Eine gef\u00e4hrliche Mode D ie wichtigste Warnung vor lebensgef\u00e4hrlichen Risiken und Gefahren bei W\u00f6lfen l\u00e4sst sich am besten am Zebra erkl\u00e4ren. 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