{"id":881,"date":"2018-04-26T17:17:00","date_gmt":"2018-04-26T15:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2018\/04\/26\/offener-brief-an-die-profil-chefredaktion\/"},"modified":"2018-04-26T17:17:00","modified_gmt":"2018-04-26T15:17:00","slug":"offener-brief-an-die-profil-chefredaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2018\/04\/26\/offener-brief-an-die-profil-chefredaktion\/","title":{"rendered":"OFFENER BRIEF an die Profil-Chefredaktion"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0&#8230; zu dem Artikel von Jochen Stadler \u201eWarum wir Tierversuche brauchen, falls wir nicht auf Antibiotika, Impfstoffe, Insulin, Implantate verzichten wollen. Eine Geschichte gegen die Scheinmoral.\u201c Erschienen im \u201eProfil\u201c, Nr. 9\/2018 vom 26.02.2018.<\/p>\n<p>Bei seinen Recherchen zum Thema Tierversuche hat sich Jochen Stadler als Verfasser des Artikels \u201eWarum wir Tierversuche brauchen \u2026\u201c einige B\u00e4ren aufbinden lassen. Die kommen vielleicht aus China, jenem Land, in das Tierexperimentatoren ausweichen, wenn ihnen unser erk\u00e4mpftes Rechts- und Wertesystem nicht passt: in China m\u00f6chten sie laut Jochen Stadler offenbar das machen, was in westlichen Demokratien aus guten Gr\u00fcnden verp\u00f6nt, verboten und strafbar ist. Welcher verqueren Denkhaltung und Ethik spricht Jochen Stadler das Wort?<\/p>\n<p><strong>Erster B\u00e4r: \u201eAuch darf niemand mehr Fieber bei Kaninchen ausl\u00f6sen \u2026\u201c, schreibt Stadler.<\/strong><br \/>Tatsache ist, dass der Pyrogentest (= Test zur Qualit\u00e4tskontrolle von injizierbaren Arzneimitteln auf das Vorhandensein von pyrogenen (= fieberausl\u00f6senden) Stoffen), zu dem es seit dem Jahr 2010 eine anerkannte, vollwertige Ersatzmethode gibt, <strong>nach wie vor in \u00d6sterreich durchgef\u00fchrt wird<\/strong>. Ein Blick in die auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums publizierten Tierversuchsstatistiken offenbart, dass z.B. im Jahre 2016 noch 13.157 Kaninchen, im Jahre 2015 noch 14.794 Kaninchen und im Jahre 2014 noch 6.897 Kaninchen diesem Tierversuch unterzogen wurden. Unter Berufung auf die \u201egesetzliche Verschwiegenheitspflicht\u201c erachtet es die Genehmigungsbeh\u00f6rde aber nicht f\u00fcr notwendig, zu erkl\u00e4ren, warum hierf\u00fcr seit Jahren nicht der vollwertige Ersatztest verwendet wurde und wird. So viel zur Intransparenz der in \u00d6sterreich genehmigten Tierversuche sowie der Nicht-Anwendung beh\u00f6rdlich anerkannter, vollwertiger Ersatzmethoden. Dies ist tagt\u00e4gliche Praxis \u2013 und zwar ohne jegliche Konsequenzen.<\/p>\n<p><strong>Zweiter B\u00e4r:<\/strong> <strong>\u201eJedenfalls sind wir weit entfernt von jenen finsteren Zeiten, in denen man Kaninchen beim sogenannten \u201eDraize\u201c-Test Substanzen in den Lidsack tr\u00e4ufelte, um deren Giftigkeit zu testen.\u201c<\/strong><br \/>Leider sind diese \u201efinsteren Zeiten\u201c zumindest in \u00d6sterreich noch gar nicht lange vorbei. Laut amtlicher Tierversuchsstatistik wurden zuletzt im Jahre 2011 an 108 Kaninchen Augenreizungstests durchgef\u00fchrt.<br \/>Und leider stecken wir noch sehr tief in diesen \u201efinsteren Zeiten\u201c. Jeder kann \u2013 so er nur will &#8211; einen Blick hineintun, n\u00e4mlich in die aktuell geltende OECD Testrichtlinie 405 (TG 405: Acute Eye Irritation\/Corrosion), wo der akute Augenreizungstest am Kaninchen in seiner Ausf\u00fchrung penibel genau beschrieben wird und keineswegs verboten ist, sondern lediglich eine rigide Anwendung nahegelegt wird.<\/p>\n<p><strong>Dritter B\u00e4r: \u201eDer zweite Grund [f\u00fcr den Anstieg der Tierversuche] ist wahrscheinlich, dass Tierversuche eben nicht mehr so viel Tierleid wie fr\u00fcher verursachen.\u201c<\/strong><br \/>Diese Vermutung fu\u00dft auf mangelnder Information und ist somit v\u00f6llig haltlos, weil es seit jeher laut der gesetzlichen Begriffsbestimmung des \u201eTierversuches\u201c keine harmlosen, leidfreien Tierversuche gibt. Schlie\u00dflich handelt es sich laut Tierversuchsgesetz (TVG) 2012, \u00a7 2, definitionsgem\u00e4\u00df erst dann um einen Tierversuch, <strong>wenn der Eingriff \u201ebei den Tieren Schmerzen, Leiden, \u00c4ngste oder dauerhafte Sch\u00e4den<\/strong> in einem Ausma\u00df <strong>verursachen<\/strong> kann, das dem eines Kan\u00fcleneinstichs gem\u00e4\u00df guter tier\u00e4rztlicher Praxis gleichkommt oder dar\u00fcber hinausgeht\u201c. Das hei\u00dft: alles was darunter ist, ist gar kein Tierversuch. Solche Eingriffe sind weder zu beantragen, noch zu genehmigen und auch nicht statistisch zu erfassen. <strong>Bei der Aussage: \u201eGute Tierversuche verursachen kein Leid\u201c, handelt es sich erneut um einen weiteren aufgebundenen B\u00e4ren, B\u00e4r Nr. 5.<\/strong> Denn ist ein Eingriff an einem Tier so \u201egut\u201c durchgef\u00fchrt, handelt es sich laut TVG gar nicht um einen Tierversuch.<\/p>\n<p><strong>Sechster B\u00e4r: \u201eEin Rhesusaffe in einer Apparatur eingeschlossen, steuert \u2026 einen Roboterarm \u2026 .\u201c \u201eSolche Experimente sind in China m\u00f6glich, nicht aber in Europa.\u201c<br \/><\/strong> \u00c4hnliche leider doch, wie beispielsweise Experimente in unserem Nachbarland Deutschland an Rhesus- und Javaneraffen in der Hirnforschung belegen.<\/p>\n<p>Es lie\u00dfen sich noch zahlreiche B\u00e4ren (insbesondere die der Verharmlosung und der Verniedlichung des Tierleides, sei es bei der Haltung oder bei den Eingriffen selbst) in Jochen Stadlers Text ausmachen. Ihre Identifikation kann aber nicht die Aufgabe der Leserinnen und Leser sein, sondern w\u00e4re im Sinne der Objektivit\u00e4t und Ausgewogenheit der Argumente die ureigenste Aufgabe eines seri\u00f6sen Journalisten, der nicht nur die Bef\u00fcrworter von Tierversuchen, sondern auch jene befragen m\u00fcsste, die Tierversuche sowohl aus ethischen als auch aus wissenschaftlichen, medizinischen und methodenkritischen Gr\u00fcnden ablehnen. Schon wegen der B\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aufrufe: 99<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0&#8230; zu dem Artikel von Jochen Stadler \u201eWarum wir Tierversuche brauchen, falls wir nicht auf Antibiotika, Impfstoffe, Insulin, Implantate verzichten wollen. Eine Geschichte gegen die Scheinmoral.\u201c Erschienen im \u201eProfil\u201c, Nr. 9\/2018 vom 26.02.2018. 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