Im Tierschutzhaus wird es immer enger

In Vösendorf werden vermehrt “Kampfhunde” abgegeben. Sie zu vermitteln, ist beinahe unmöglich.

Eine vergleichbare Panik hat es nur bei der Vogelgrippe gegeben”, sagt Alexander Willer vom Wiener Tierschutzverein. Die Diskussionen um den Hundeführschein in Wien und ein strengeres Hundehaltegesetz in Niederösterreich haben zur Folge, dass seit Jahresbeginn extrem viele sogenannte Listenhunde (“Kampfhunde”, für die der Hundeführschein nötig sein wird; Anm.) ausgesetzt wurden – zu einem Gutteil Welpen. Das Tierschutzhaus in Vösendorf platzt aus allen Nähten. Hunde werden bereits in den Büros untergebracht.

Kapazitätsprobleme sind in Vösendorf nichts Neues. Doch durch die beiden neuen Gesetze stehe man nun vor noch nie da gewesenen Schwierigkeiten, sagt Willer. “Die aktuellen politischen Debatten haben dazu geführt, dass einzelne Hunderassen angefeindet werden. Viele Besitzer sind massiv verunsichert. In dieser aufgeschaukelten Stimmung ist es natürlich immens schwer, solche Listenhunde zu vermitteln. Die werden länger bei uns bleiben.” 168 Tiere sind es zurzeit.

Die wenigsten davon wurden persönlich im Tierschutzhaus abgegeben. “Die überwiegende Mehrheit wird ausgesetzt, weil die Besitzer nicht als ,Kampfhundehalter’ angepöbelt werden wollen.” (Willer)
Regressforderungen

Um die Versorgung der Hunde – insbesondere der nicht vermittelbaren – zu optimieren, will man den Leistungsvertrag mit der Stadt Wien, derzeit 800.000 Euro, nachverhandeln. Die Präsidentin des Tierschutzvereins, Madeleine Petrovic, lässt zudem derzeit die Möglichkeiten von Regressforderungen an die Länder Wien und NÖ prüfen. Davon abgesehen steht ein neuer Standort für das Tierschutzhaus an oberster Stelle ihrer Wunschliste.

Wiens Tierschutz-Stadträtin Sandra Frauenberger (SP) sieht allerdings keine Notwendigkeit, nachzuverhandeln. “Der Leistungsvertrag ist ja kein Fixum, sondern richtet sich nach der Anzahl der aufgenommenen Tiere und ist insofern ein flexibles Instrumentarium.” Dazu käme, “dass eine überwiegende Mehrheit der abgegebenen Hunde aus Niederösterreich” stamme.

Eine Einschätzung, der man im Tierschutzhaus widerspricht. “Seit Anfang des Jahres haben wir 67 Listenhunde aufgenommen – davon waren acht aus Niederösterreich. Der Rest sind herrenlose Hunde oder Fundtiere aus Wien sowie Abnahmen des Veterinäramtes.”

Recht deutliche Worte findet auch Petrovic: “Das ist lächerlich. Über 85 Prozent unserer Hunde kommen aus Wien. Etliche werden einfach bei uns am Zaun angebunden – da kann man auch davon ausgehen, dass die aus Wien sind. Einen Pass haben ja die wenigsten dabei.”

Der Leistungsvertrag in seiner derzeitigen Form, sagt Petrovic, sei “von der Kostenwahrheit weit entfernt. Diese 800.000 Euro entsprechen gerade einmal 17 Prozent unserer Gesamtkosten. Wobei wir nur sechs Prozent Verwaltungskosten haben. Wir verlangen ja gar keine Vollkostenabdeckung, aber der Leistungsvertrag sollte gesplittet werden.”

Gemeint ist: Derzeit zahlt die Stadt Wien dem Tierschutzhaus 30 Tage lang 11,80 Euro für einen Hund und 8,40 Euro für eine Katze – mit dem Ziel, die Tiere in dieser Zeit zu vermitteln. “Da für Listenhunde aber kaum neue Besitzer zu finden sind, sollte man sich hier ein längerfristiges Finanzierungsinstrumentarium überlegen.”

Kein Geld

Luna & Lilly , Shi-Tzu Zu vergeben: Luna & Lilly, Shi-Tzu, 2 und 6 JahreFür ein weiteres Problem ist nach wie vor keine Lösung in Sicht. Denn, wie berichtet, ziehen die Altlasten der Raffinerie Vösendorf das Tierschutzhaus in Mitleidenschaft. “Chemikalien zerfressen Stützpfeiler, Mauern senken sich, Risse durchziehen die Wände, Rohre bersten und im Sommer quillt massenhaft Teer aus dem Erdreich”, schildert Petrovic die Problematik. “Wir brauchen raschestens einen neuen Standort.”

Den dürfte es aber nicht so bald geben. “Dafür ist derzeit kein Geld da”, stellt Frauenberger klar. Das Tierschutzhaus sei “zwar nicht das Nonplusultra, aber es funktioniert”. Sie verweist zudem auf ein Gutachten, wonach massive Planungs- und Ausführungsfehler Grund für den Zustand des Gebäudes sind. Und der Auftraggeber sei der Tierschutzverein selbst gewesen.
Seitens des Magistrats ist man aber um eine effiziente Lösung bemüht.

http://kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/1994493.php
16.04.2010

 

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