
Das Europäische Patentamt hat im Jahr 2012 drei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen erteilt. Dies geht aus einer aktuellen Recherche der Initiative „Kein Patent auf Leben!“ hervor. Die Tiere sollen für die Pharmaforschung genutzt werden. Ein Bündnis von mehreren Organisationen bereitet jetzt Einsprüche gegen die Patente vor. Ziel der Initiative ist nicht nur der Widerruf, sondern ein grundsätzliches Verbot derartiger Patente. Die Träger der Initiative fürchten, dass durch kommerzielle Anreize immer mehr Tierversuche auch mit Schimpansen durchgeführt werden. Sie fordern mehr Respekt im Umgang mit Tieren.
„Die jetzt erteilten Patente auf Menschenaffen weisen auf eine krasse Fehlentwicklung hin. Das
Europäische Patentamt muss insbesondere zum Schutz von Säugetieren aktiv werden und die
Patentierung von gentechnisch veränderten Versuchstieren einstellen“, fordert Ruth Tippe von Kein
Patent auf Leben! „Die Tierversuche gerade im Bereich der Gentechnik nehmen in den letzten
Jahren stark zu, und das Patentamt schafft hier noch zusätzliche kommerzielle Anreize.“
2012 wurden zwei Patente für die US-Firma Intrexon erteilt (EP1456346 und EP1572862). Sie ist
im Bereich der Synthetischen Biologie tätig und beansprucht ausdrücklich Tiere wie Mäuse, Ratten,
Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe, Affen und insbesondere
Schimpansen als Erfindung. Unter Einsatz von Insekten-DNA soll sich die Aktivität der Gene dieser
Tiere angeblich gezielt verändern lassen.
Die US-Firma Altor BioScience erhielt ein Patent auf Schimpansen, deren Immunsystem
„humanisiert“ wurde (EP1409646). Sie kooperiert mit der Firma Genentech (Teil von Hofmann-La
Roche). Entwickelt werden unter anderem Medikamente mit Antikörpern, die dann auch an
Menschenaffen getestet werden.
„Derartige Patente unterlaufen die Bemühungen für einen besseren Schutz von Menschenaffen. Es
gibt gute Gründe, Tierversuche mit Schimpansen komplett zu verbieten“, sagt Christoph Then von
Testbiotech. „Wer aber Menschenaffen zu patentierbaren Erfindung macht, scheint jeden Respekt
vor den Tieren verloren zu haben.“
Insgesamt hat das Patentamt bereits etwa 1200 Patente auf Tiere erteilt. Der Präzedenzfall wurde
1992 mit der sogenannten „Krebsmaus“ geschaffen. Auch auf Menschenaffen gibt es schon
zahlreiche Patente. 2006 wurde beispielsweise eines auf Affen mit Krebsgenen erteilt
(EP0811061).Erst nach Einspruch von Greenpeace verzichtete der Patentinhaber auf die strittigen
Ansprüche. 2010 erhielt die Firma Bionomics ein Patent auf gentechnisch veränderte Affen, die an
Epilepsie leiden (EP1852505).
Versuche an Primaten und Menschenaffen unterliegen international, insbesondere auch in der EU,
strengen Restriktionen. Genetische Ähnlichkeit, das nachgewiesene Selbstbewusstsein und die
Fähigkeit zu planen und zu fühlen veranlassen Wissenschaftler und Tierrechtler, sich für gesetzlich
anerkannte Grundrechte für die Großen Menschenaffen einzusetzen. Das internationale “Great Ape
Project” fordert sogar das gesetzlich verankerte Recht auf Leben, Freiheit und körperliche wie
psychische Unversehrtheit. Einige EU-Länder haben Tierversuche an Menschenaffen bereits
verboten. Durch Patente auf Menschenaffen und andere gentechnisch veränderte Säugetiere kann
aber ein Vermarktungsdruck entstehen, der dazu führt, dass Regelungslücken gezielt genutzt
werden. Vor diesem Hintergrund werden das Gen-ethische Netzwerk, die Gesellschaft für
ökologische Forschung, Kein Patent auf Leben! und Testbiotech Einsprüche gegen diese Patente
vorbereiten und weitere Unterstützer mobilisieren.
Rückfragen:
Dr. Ruth Tippe, Kein Patent auf Leben, Tel 01731543409, rtippe@keinpatent.de
Dr. Christoph Then, Testbiotech, Tel 015154638040, info@testbiotech.org
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