EU plant tausende zusätzliche Tierversuche für Chemikalien

Die EU beabsichtigt, tausende Chemikalien, die schon seit 20 Jahren in Konsum- und Industriegütern verwendet werden, zu registrieren und auf ihre Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt zu bewerten.
“Das bedeutet für abertausend Tiere wie Mäuse, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen, Fische, Hunde und Affen, unvorstellbares Leid – den sicheren qualvollen Vergiftungstod in den Testlabors”, stellt Gerda Matias, Präsidentin des “Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner” erschüttert fest und kündigt eine Protestkartenaktion an.
Die Kommission möchte die Konsumenten in trügerische Sicherheit wiegen. Doch die Ergebnisse aus Tierversuche lassen sich nicht auf Mensch und Umwelt übertragen, wie Versuche, z.B. mit Asbest, überzeugend zeigen.

Im jüngst erschienen “Weissbuch” hat die Europäische Kommission die “Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik” vorgelegt. Hierbei nimmt der Plan, alle “Alt”-Chemikalien zu überprüfen, eine zentrale Rolle ein.
Zu Altchemikalien gehören alle Stoffe und Zubereitungen, die im September 1981 bereits im Umlauf waren, nämlich 100.106 Stoffe. Es wird geschätzt, dass noch 30.000 dieser Stoffe in Mengen von mehr als einer Tonne jährlich in Verkehr gebracht werden.
Nun schlägt die Kommission bei der Systematisierung dieser Altchemikalien ein schrittweises Vorgehen vor, um die “Altlasten” in den Griff zu bekommen. Eine Übergangszeit von 11 Jahren wird veranschlagt.

Im Strategiepapier wird die vorrangige Anwendung von Methoden ohne Tierversuche und die Förderung der Entwicklung neuer Prüfmethoden ohne Versuchstiere eigens hervorgehoben.
“Aber leider handelt es sich hier nur um halbherzige Vorschläge”, stellt Gerda Matias, Präsidentin des “Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner” klar, “die sich kurz- und mittelfristig kaum in der Praxis niederschlagen werden. Denn tatsächlich erfolgt die Gefährlichkeitsprüfung eines Stoffes nach den Prüfmethoden der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die zu einem ganz großen Teil auf Tierversuche basieren. Besonders häufig sind hier die sehr belastenden Toxizitätstests (= Giftigkeitstests) vorgeschrieben.”

Toxizitätstests sind nicht nur aufgrund ihrer Unwissenschaftlichkeit, sondern vor allem auch wegen der enormen Belastung für die Tiere heftig umstritten. Den Versuchstieren wird die Substanz über den Nahrungsweg als Futterbeimischung, aber auch durch Schlundsonden, durch Einatmung, bzw. über die Haut – gespritzt in Muskeln, Venen oder in die Bauchhöhle – verabreicht. Die Tiere sterben unter unvorstellbaren Qualen und Schmerzen einen langsamen Vergiftungstod.

Die Tierversuchsgegner kritisieren, dass im Strategiepapier die Übertragbarkeit der Tierversuchsergebnisse aus dem Labor auf den Menschen und die Umwelt nicht hinterfragt wird, obwohl es hierfür viele Beispiele aus allen Bereichen gibt:
Unter anderen hat der Asbest-Fall traurige Berühmtheit erlangt und beweist, dass Tierversuche nichts zur Risikoabschätzung beitragen können und somit keinen ausreichenden Schutz für die Gesundheit des Menschen und der Umwelt darstellen.
“Die ersten Berichte über einen Zusammenhang zwischen Asbest und Lungenkrebs kamen in den 30er Jahren auf, nachdem man Menschen untersucht hatte, die an einer Asbestose gestorben waren. Aber Versuche, bei Tieren diesen Krebs zu erzeugen, schlugen immer wieder fehl, und trotz weiteren Beweisen anhand von Arbeitern, die dem Stoff ausgesetzt waren, wurde die krebserzeugende Wirkung von Asbest bis in den 60er Jahren angezweifelt. … ” (Dr. Robert Sharpe: Eine kritische Beurteilung des Tierversuches. Die Notwendigkeit einer Reform.)

Die Tierversuchsgegner haben eine Protestkartenaktion gestartet und fordern die Kommission auf, bei der Testung der Altchemikalien auf Tierversuche zum Schutze der Gesundheit des Menschen und der Umwelt völlig zu verzichten.
Hingegen sollen alle existierenden Daten und Informationen verwertet, alle vorhandenen tierversuchsfreien Verfahren und Methoden kombiniert eingesetzt werden und insbesondere epidemiologische Studien (Ereignisse, die in örtlicher und zeitlicher Begrenzung gehäuft auftreten) bevorzugt und finanziert werden.

“Da die betreffenden Altchemikalien nun schon seit 20 Jahren im Umlauf sind und bis zum Abschluss der Altchemikalienprüfung die Chemikalie 30 Jahre im Verkehr sein wird, muss der Wissens- und Erfahrungsstand ausreichend für eine Beurteilung sein. Verdächtige Chemikalien sind sofort aus dem Verkehr zu ziehen und durch sichere zu ersetzen”, ergänzt Romana Rathmanner, Mitglied der Kommission gemäß § 13 Tierversuchsgesetz, den Forderungskatalog der Tierversuchsgegner.

 

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-10, Fax: +43/1/713 08 24,
E-Mail: tierversuchsgegner@chello.at

 

Siehe dazu auchTierversuche für Chemikalien – das REACH-Programm

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