Tierversuchsstatistik für 2003

Endlich weniger Tierversuche

Der heute in der “Wiener Zeitung” veröffentlichten amtlichen Statistik zu Tierversuchen ist zu entnehmen, dass im Jahr 2003 insgesamt 171.937 Tiere für Experimente verwendet wurden. Das sind im Vergleich zum Vorjahr um gute 10% weniger. Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), hofft, dass “damit endlich der Bann gebrochen ist. Denn in den letzten Jahren ist die Zahl der Versuchstiere dramatisch angestiegen und die für 2003 gezählten 171.937 Tiere stellen gegenüber dem Jahr 1999 noch immer eine 32%ige Erhöhung dar. Noch immer stirbt in Österreich alle drei Minuten ein Tier an einem belastenden Versuch.”

Nach wie vor stellen Mäuse, Kaninchen, Ratten und Meerschweinchen – vor allem aufgrund des leichteren Handlings (sie sind billig, vermehren sich rasch und werden ungeachtet ihrer vitalen und sozialen Bedürfnisse in winzigen Käfigen untergebracht) – mit 97% die bevorzugte Versuchstierart dar. Bei den restlichen 3%, das sind immerhin noch 4.910 Tiere, fällt vor allem die Zunahme bei der Verwendung von Nutztieren auf. So beträgt bei Schweinen, Ziegen, Schafen, Rindern und Pferden bzw. Eseln die Steigerung 228%. Diese Tiere wurden hauptsächlich in der Grundlagenforschung und für die allgemeine und berufliche Bildung eingesetzt. Die Verwendung von Tieren für die allgemeine und berufliche Bildung hat mit 56% enorm zugenommen. “Dies ist um so bestürzender, als es genau in diesem Bereich zahlreiche Ersatzmethoden gibt, weshalb dafür kein einziges Tier mehr sterben sollte”, so Gerda Matias.

Erfreulich ist, dass in Österreich abermals kein Tier für Kosmetika leiden musste und die Tierversuche mit Katzen von 280 auf 22 zurückgegangen sind. Bei Hunden ist allerdings eine Erhöhung von 27% zu verzeichnen, die um so mehr befremdet als es eine ministerielle Weisung für ein Verbot von Versuchen an Hunden gibt, das für das Ressort des Bildungsministeriums gilt. Aufklärenswert ist, dass 40 Tiere dem sehr belastenden LD-50-Giftigkeitstest geopfert wurden, der laut einer Verordnung in Österreich seit Jahren verboten ist.

Der größte Teil der für das Jahr 2003 gemeldeten Tiere, nämlich 74%, stammen aus “anderen Quellen innerhalb der EU”, also aus keinen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen.
Wie viele Tiere sich im Jahr 2003 tatsächlich in den Versuchslabors befunden haben, ist der Statistik nicht zu entnehmen, da sich die Zahlen nur auf die Labortiere, die im betreffenden Jahr tatsächlich im Versuch eingesetzt waren, beziehen. Es ist aber durchaus üblich, Tiere in den Versuchslabors quasi auf Vorrat zu halten bzw. bei Nichtgebrauch auch zu töten, was statistisch nicht erfasst wird.

Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste.
Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.

Darüber hinaus muss festgehalten werden, dass die Zahlen der offiziellen Statistik nicht dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren in den Labors entsprechen.
Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder Eingriff an einem Tier (auch in einem Tierversuchslabor!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch, wenn

  • der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten nicht als Tierversuche!
  • der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Meinung des Experimentators (!) für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche!
  • der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche! Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche.

 

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-10, Fax: +43/1/713 08 24,
E-Mail: tierversuchsgegner@chello.at

 

Siehe dazu auch Tierversuchsstatistik für 2003

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