Die EU-Kommission hat einen Verordnungsentwurf zur Chemikalienrichtlinie vorgelegt, kurz REACH genannt, der im Detail heftig umstritten ist, unter anderem deshalb, weil durch die Umsetzung 45 Millionen Versuchstiere in den kommenden 15 Jahren für die Prüfung der alten und neuen Chemikalien systematisch vergiftet würden.
Dieser Entwurf wird nun im Umweltausschuss des EU-Parlaments behandelt, wo es am 19. Jänner 2005 ein öffentliches Hearing mit wichtigen ReferentInnen, darunter auch Günter Verheugen, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmen, gegeben hat. Am 3. Februar 2005 wurde Verheugen abermals in den Umweltausschuss geladen, wo er in seiner Rede wieder zu dem Thema Chemikalienrichtlinie Stellung bezogen hat und den (zusätzlichen) Tierversuchen eine eindeutige Absage erteilt hat.
Zitat von Verheugen aus dem Hearing: “Ich möchte mit großem Nachdruck darauf hinweisen, dass ich jedenfalls alles tun werde, was ich kann, um zusätzliche Tierversuche zu vermeiden. Für mich ist das die wahrscheinlich gefährlichste Schwäche des vorliegenden Entwurfs … Ich halte es jedenfalls auch aus ethischen Gründen nicht für vertretbar, eine Gesetzgebung zu verabschieden, bei der es um den Schutz von Gesundheit und Umwelt geht, wenn das mit dem Verbrauch von Millionen von Versuchstieren erkauft wird.”
Zitat von Verheugen aus der Rede: “Ein weiterer zentraler Punkt ist die Vermeidung von Tierversuchen, die ich nachdrücklich unterstütze … Ich bin der Auffassung, dass wir eine Strategie zur Entwicklung von alternativen Testmethoden und zur Stärkung ihrer Akzeptanz brauchen.”
Verheugen kommt in seiner Rede (SPEECH/05/72) abschließend noch einmal auf das Thema Tierversuche zu sprechen und kündigt noch für 2005 eine internationale wissenschaftliche Konferenz in Brüssel an, bei der es vor allem um Alternativmethoden zu den Tierversuchen gehen soll.
Wir hoffen sehr, dass diesen erfreulichen Worten – die als die aktuelle Haltung der EU-Kommission zu werten ist – auch die erforderlichen, dringenden Handlungen folgen. Es gibt Studien, die belegen, dass das neue Chemikalienprogramm ohne Tierversuche durchführbar ist, indem man sich einer tierversuchsfreien Prüfstrategie, die stufenweise angesetzt ist, bedient. Es liegt an der Kommission, diese in den Details auszuarbeiten, teilweise noch zu entwickeln und auch durchzusetzen. An den Parlamentariern liegt es nun, in der 1. Lesung, die noch vor dem Sommer erfolgen soll, den ursprünglichen Entwurf der Kommission dahingehend völlig abzuändern.
Siehe dazu auch Tierversuche für Chemikalien – das REACH-Programm
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