Von Lars-Marten Nagel
Zwist um die Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten: Tierschützer sprechen von Todeslisten und Planschbecken, Befürworter von einem Meilenstein.
Es gibt kaum ein Tier, in dem sich der Mensch so leicht wiederfinden kann wie im Delfin. Die Meeressäuger mit dem ewigen Lächeln scheinen lebensfrohe und gesellige Kreaturen zu sein. Doch in Nürnberg sorgen sie für großen Zwist, der um die Frage kreist: Dürfen Delfine im Zoo gehalten werden oder nicht?
Grund dafür ist der Neubau der Delfinanlage für 24 Millionen Euro, der von Stadt und Zoo „Lagune“ genannt wird, von Tierschützern hingegen „Planschbecken“. Bis Sommer 2011 soll er fertig sein und dann bis zu 14 Tümmler aufnehmen können. Wenn Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutscher Tierschutzbunds, auf die Delfinzucht angesprochen wird, beginnt er zu kochen:„Die Tiere schwimmen in freier Wildbahn bis zu 50 Kilometer am Tag und tauchen 300 Meter tief. Sie leiden empfindlich in den Planschbecken. Der Nürnberger Zoo führt eine Todesliste.“ Die Lagune dürfe nie in Betrieb gehen.
Ein wichtiges Argument der Tierschützer ist dabei der Tod von Delfinbabys. Erst vergangene Woche starb wieder ein Junges des Nürnberger Delfinweibchens Naomi in einem niederländischen Delfinarium, laut Tierschützern war es das achte tote Nürnberger Jungtier seit 2004. Selbst der Nürnberger Zoodirektor Dag Encke sprach im September zerknirscht von einer „verheerenden Zeit“ ohne Zuchterfolg. Das neue Beckensystem von derFläche eines halben Fußballfeldes soll das ändern. Im Duisburger Zoo, der nach dem Ausstieg von Münster bald mit Nürnberg die letzten Delfinarien in Deutschland betreiben wird, gibt man sich zugeknöpft: „Zahlen zu toten Delfinbabys geben wir nicht raus“, sagte Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter des Duisburg Zoos.
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article10073256/Tierschuetzer-kaempfen-um-Delfine-im-Nuernberger-Zoo.html
04.10.2010
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