Tierschützer schuldigen Bettfedern-Firma an

Daunen von lebend gerupften Gänsen verwendet? Böhmerwald-Geschäftsführer Fuchs: „Das ist nie passiert.“

CHAM. Die Belegschaft von Böhmerwald-Bettfedern hat Angst um ihr Unternehmen. In den letzten beiden Tagen haben sich die Meldungen überschlagen. Die Tierschutz-Organisation „Vier Pfoten“ hat offensichtlich eine Aktivistin in die Firma eingeschleust. Marcus Müller, der bei „Vier Pfoten“ als „Kampagnenführer“ bezeichnet wird, wirft Böhmerwald-Geschäftsführer Hubert Fuchs vor, dieser habe Daunen von Gänsen verwendet, die in Ungarn lebend gerupft worden sind.

Noch nicht lückenlos

Die Anschuldigung platzt mitten in eine Zeit, in der der Verband der Deutschen Federnindustrie (VDFI), dessen Mitglied die Firma Böhmerwald ist, öffentlich auf seiner Homepage einräumt, dass eine lückenlose Dokumentation der Federnbelieferung „im Aufbau“ sei. Der Otto-Versand hat Daunenprodukte der Firma Böhmerwald vorsorglich aus seinem Angebot gestrichen. Das bestätigt der Pressesprecher der Otto-Group, Thomas Vogt. Eine ganze Branche sichert sich von oben nach unten ab. Vogt erklärt das so: „Unsere Lieferanten versichern uns, dass sie keine Produkte aus Lebendrupf liefern. Die Vertrauensbasis gilt solange, bis begründete Zweifel aufkommen. Das ist jetzt der Fall.“ Auf eine Diskussion über die Beweise lässt sich Vogt nicht ein. Für ihn ist klar, dass seine Kunden Anspruch haben, ihr müdes Haupt auf Daunen aus zweifelsfreier Herkunft zu betten. Man werde mit dem Verband an einem lückenlosen Nachweis arbeiten.

Böhmerwald-Geschäftsführer Hubert Fuchs setzt die Zertifikats-Kette nach unten fort: Er legt dem Bayerwald-Echo die schriftlichen Beteuerungen von seinen Anbietern aus Deutschland und Polen vor. Sie alle bescheinigen ihm, dass sie keinen Lebendrupf liefern. Im Beisein von Betriebsrats-Vorsitzender Rosmarie Kiefl und Betriebsrätin Brigitte Dobmeier räumt er ein, dass er ein solches Zertifikat aus Ungarn nicht besitzt. In einem aber ist er sicher: „Bei uns ist kein Lebendrupf angeliefert worden. Dafür stehen wir hier gerade.“ Brigitte Dobmeier pflichtet ihm bei: „Sowas würde unser Chef nie tun.“

http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10059&pk=609996&p=1

24.11.2010

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